Was die Studien ergaben
Rund fünfzig Arbeiten in der Datenbank PubMed erwähnen Ipamorelin. Die Kernergebnisse stammen von wenigen Gruppen und lassen sich vier Bereichen zuordnen: Wirkung auf die Hypophyse, Knochen und Muskeln, Körperfett und Stoffwechsel sowie der Darm.
Wirkung auf die Hypophyse
- Entdeckungsarbeit (Eur J Endocrinol, 1998): in Hypophysenzellen von Ratten setzte Ipamorelin Wachstumshormon etwa so potent frei wie GHRP-6. Bei Schweinen erhöhte es ACTH und Cortisol nicht über die Werte hinaus, die man mit GHRH sieht.
- Somatotrope Zellen (Histol Histopathol, 2002): nach 21 Tagen Behandlung junger weiblicher Ratten zeigten die Hypophysenzellen mehr Sekretgranula und eine veränderte Reaktion auf spätere Reize.
Knochen und Muskeln bei Ratten
- Knochenlänge (Growth Horm IGF Res, 1999): über 15 Tage wuchs das Schienbein dosisabhängig schneller, von 42 auf bis zu 52 Mikrometer pro Tag, und das Körpergewicht stieg. Das Gesamt-IGF-I änderte sich nicht.
- Knochenmineral (J Endocrinol, 2000): zwölf Wochen kontinuierliche Gabe erhöhten den Mineralgehalt der Knochen, allerdings weil die Knochen größer wurden, nicht dichter.
- Steroidbedingter Abbau (Growth Horm IGF Res, 1999 und 2001): bei Ratten unter Methylprednisolon verringerte Ipamorelin den Gewichtsverlust, erhöhte IGF-I und erhielt über drei Monate die Kraft der Wadenmuskulatur und die periostale Knochenbildung.
- Eiweißabbau (Growth Horm IGF Res, 2009): bei mit Prednisolon behandelten Ratten verringerte es den Stickstoffverlust, wenn auch weniger wirksam als Wachstumshormon selbst.
Körperfett und Stoffwechsel
- Fettzunahme (Biochem Biophys Res Commun, 2001): bei Mäusen steigerte Ipamorelin das Körperfett sogar bei Tieren ohne Wachstumshormon, zusammen mit höherer Nahrungsaufnahme und mehr Leptin. Die Autoren führten dies auf den Ghrelin-Weg statt auf Wachstumshormon zurück.
- Insulin (Neuro Endocrinol Lett, 2004): in isoliertem Bauchspeicheldrüsengewebe gesunder und diabetischer Ratten steigerte Ipamorelin die Insulinfreisetzung.
Studien am Menschen
- Pharmakokinetik (Pharm Res, 1999): bei gesunden Männern, die mit fünf Infusionsraten untersucht wurden, stiegen die Blutspiegel proportional zur Dosis, und die Halbwertszeit lag bei etwa zwei Stunden. Jede Infusion löste eine einzelne Wachstumshormon-Episode aus, die nach rund 40 Minuten ihren Gipfel erreichte.
- Postoperativer Ileus (Int J Colorectal Dis, 2014): bei 114 ausgewerteten Patienten nach Darmoperation betrug die mediane Zeit bis zur Verträglichkeit einer festen Mahlzeit 25,3 Stunden mit Ipamorelin und 32,6 Stunden mit Placebo, ein statistisch nicht signifikanter Unterschied. Unerwünschte Ereignisse waren in beiden Gruppen häufig, mit 87,5 % und 94,8 %, und das Mittel wurde als gut verträglich beschrieben.
Weitere Tierversuche
Bei Ratten nach Bauchoperation steigerten wiederholte intravenöse Gaben die Kotmenge und die Nahrungsaufnahme (2009). Bei Frettchen, die das Chemotherapeutikum Cisplatin erhielten, verringerte Ipamorelin den Gewichtsverlust in der späten Behandlungsphase um etwa ein Viertel, minderte aber das Erbrechen nicht (2024).
Doping-Analytik
Das Kölner Anti-Doping-Labor kartierte 2012, wie Ipamorelin und verwandte Peptide im Körper abgebaut werden. Schwarzmarktprodukte, die deutsche und norwegische Labore untersuchten, sowie vom dänischen Zoll beschlagnahmte Pulver enthielten eine veränderte Form mit einem zusätzlichen Glycin am Anfang, sodass die Testverfahren angepasst werden mussten.
Was fehlt
- Es gibt keine veröffentlichten Langzeitstudien am Menschen.
- Die Ergebnisse der zweiten, größeren Phase-2-Studie wurden nicht veröffentlicht.
- Ein großer Teil der frühen Arbeiten stammt vom entwickelnden Unternehmen oder seinen Partnern.
- Ein Review von 2026 in Sports Medicine kam zu dem Schluss, dass belastbare Sicherheitsdaten am Menschen für nicht zugelassene Peptide wie Ipamorelin rar sind.
Fazit
Ipamorelin löst zuverlässig eine kurze Freisetzung von Wachstumshormon aus, und Rattenstudien deuten auf Wirkungen an Knochen, Muskeln und Fett hin. Die einzige veröffentlichte Patientenstudie war negativ, und keine Studie hat einen klinischen Nutzen beim Menschen gezeigt.
Quellen
- Raun K, et al. Ipamorelin, the first selective growth hormone secretagogue. Eur J Endocrinol. 1998;139:552-561. PMID 9849822
- Johansen PB, et al. Pharmacokinetic evaluation of ipamorelin and other peptidyl growth hormone secretagogues with emphasis on nasal absorption. Xenobiotica. 1998;28:1083-1092. PMID 9879640
- Gobburu JV, et al. Pharmacokinetic-pharmacodynamic modeling of ipamorelin, a growth hormone releasing peptide, in human volunteers. Pharm Res. 1999;16:1412-1416. PMID 10496658
- Johansen PB, et al. Ipamorelin, a new growth-hormone-releasing peptide, induces longitudinal bone growth in rats. Growth Horm IGF Res. 1999;9:106-113. PMID 10373343
- Malmlöf K, et al. Methylprednisolone does not inhibit the release of growth hormone after intravenous injection of a novel growth hormone secretagogue in rats. Growth Horm IGF Res. 1999;9:445-450. PMID 10629165
- Svensson J, et al. The GH secretagogues ipamorelin and GH-releasing peptide-6 increase bone mineral content in adult female rats. J Endocrinol. 2000;165:569-577. PMID 10828840
- Lall S, et al. Growth hormone (GH)-independent stimulation of adiposity by GH secretagogues. Biochem Biophys Res Commun. 2001;280:132-138. PMID 11162489
- Andersen NB, et al. The growth hormone secretagogue ipamorelin counteracts glucocorticoid-induced decrease in bone formation of adult rats. Growth Horm IGF Res. 2001;11:266-272. PMID 11735244
- Jiménez-Reina L, et al. Influence of chronic treatment with the growth hormone secretagogue Ipamorelin, in young female rats: somatotroph response in vitro. Histol Histopathol. 2002;17:707-714. PMID 12168778
- Adeghate E, Ponery AS. Mechanism of ipamorelin-evoked insulin release from the pancreas of normal and diabetic rats. Neuro Endocrinol Lett. 2004;25:403-406. PMID 15665799
- Aagaard NK, et al. Growth hormone and growth hormone secretagogue effects on nitrogen balance and urea synthesis in steroid treated rats. Growth Horm IGF Res. 2009;19:426-431. PMID 19231263
- Venkova K, et al. Efficacy of ipamorelin, a novel ghrelin mimetic, in a rodent model of postoperative ileus. J Pharmacol Exp Ther. 2009;329:1110-1116. PMID 19289567
- Thomas A, et al. Metabolism of growth hormone releasing peptides. Anal Chem. 2012;84:10252-10259. PMID 23101768
- Beck DE, et al. Prospective, randomized, controlled, proof-of-concept study of the Ghrelin mimetic ipamorelin for the management of postoperative ileus in bowel resection patients. Int J Colorectal Dis. 2014;29:1527-1534. PMID 25331030
- Krug O, et al. Analysis of new growth promoting black market products. Growth Horm IGF Res. 2018;41:1-6. PMID 29864719
- Gajda PM, et al. Glycine-modified growth hormone secretagogues identified in seized doping material. Drug Test Anal. 2019;11:350-354. PMID 30136411
- Lu Z, et al. The growth hormone secretagogue receptor 1a agonists, anamorelin and ipamorelin, inhibit cisplatin-induced weight loss in ferrets. Physiol Behav. 2024;284:114644. PMID 39043357
- Mendias CL, Awan TM. Safety and efficacy of approved and unapproved peptide therapies for musculoskeletal injuries and athletic performance. Sports Med. 2026;56:1921-1935. PMID 41966639
- Helsinn Therapeutics (U.S.). Safety and efficacy of ipamorelin for management of post-operative ileus. ClinicalTrials.gov NCT00672074.
- Helsinn Therapeutics (U.S.). Safety and efficacy of ipamorelin compared to placebo for the recovery of gastrointestinal function. ClinicalTrials.gov NCT01280344.